Archiv der Kategorie: Gründerzeit Stühle

Sitzmöbel der Gründerzeit, wie und was kennzeichnet Gründerzeit Stühle und wie sah ein Gründerzeit Stuhl aus?

Antiquitäten – Gründerzeit Stühle

Freilich ist der Stuhl aus der Gründerzeit so gearbeitet, dass viel Raum für das begehrte Zierwerk blieb. Die Beine der wuchtigen Stühle waren in der Regel mit Stegen verbunden, so dass balusterförmige Drechselarbeiten oder Schnitzwerk sich nicht nur an den Stuhlbeinen finden, sondern eben auch diesen Stegen. Stuhlbeine von nicht balusterförmiger Gestaltung hatten meist die Form kannelierter Säulen.

Der Sitz war original mit Stoff oder Leder überzogen. Rohrgeflecht fand ebenso Verwendung. Prächtig anzusehen sind Lederbespannungen für Sitz und Lehne, in welche Bildmotive geprägt sind.  Die Stuhllehne bot die optimale Fläche für den Stil der Gründerzeit. Die aufwendigsten Stühle der Gründerzeit besitzen eine mehrfach durchbrochene Lehne mit reichem Schnitzwerk, welche von Säulen in tordierter Optik umsäumt ist. Auf der Lehne finden sich darüber hinaus Bekrönungen, ein Designelement welches bei Schränken und anderen Möbeln der Gründerzeit zu finden ist. Das bevorzugte Holz für den Gründerzeit Stuhl war Eiche.

Historismus Boom während der Gründerzeit

Der zur Gründerzeit boomende Historismus erzeugte darüber hinaus noch einige besondere Möbel, auch Sitzmöbel. Eines davon ist der so genannte Armlehnenstuhl des Historismus im Neo-Renaissance Stil. Der Name verrät bereits woher die wesentlichen Anklänge stammen. Die in der Renaissance wieder aufgegriffene Form aus der Antike findet sich am Armlehnenstuhl. Die zwei Stuhlbeine bestehen aus zwei frontausgerichteten, umgekehrten U-förmigen Bögen, welche durch Stege miteinander verbunden sind. Darauf ruht der muldenförmige, ungepolsterte Sitz, den man seinerzeit sicher mit einem Kissen etwas bequemer machte. Die schmale, hoch angesetzte und nicht voll füllende Rückenlehne ist wiederum an einem halbrunden Rahmen befestigte.

Gründerzeit Stühle – eine Anlehnung an historische Gestaltungsvorbilder

Der vordere halbrunde Rahmen ist nicht so hoch und stützt die von der Lehne sich absenkenden und geschwungenen Armlehnen. Die Stuhllehne ist beschnitzt und gekrönt. Die Stuhlbeine laufen meist in so genannten Löwentatzen aus. Dazu passend finden sich, ebenso von der Renaissance inspiriert, geschnitzte Löwenköpfe. Dieser prächtige Armlehnenstuhl ist vor allem ein Repräsentationsmöbel bei dem mit Zierrat zwar nicht gespart wurde, welches jedoch gezielt und geschmackvoll eingesetzt ist. Das ursprüngliche Sitzmodell aus der Antike dagegen war überaus schlicht.

Gründerzeit Stuhl – Einrichtung antik

Die Gründerzeit, die gegen Mitte des 19. Jahrhunderts mit der immer stärkeren Industrialisierung Deutschlands ihren Anfang nahm, wird vor allem mit den Jahren direkt nach dem Sieg über Frankreich und der damit einhergehenden Gründung des Deutschen Reiches („Reichsgründung„) in Zusammenhang gebracht. Dieser Sieg entfachte einen bis dahin ungekannten Aufschwung in der Wirtschaft, der mit dem Börsenkrach von 1873 allerdings ein schnelles und abruptes Ende fand. Nichtsdestotrotz war während des Aufschwungs vor allem in den Städten das Bürgertum stetig gewachsen. Zum ersten Mal gab es nun so etwas wie eine bürgerliche Mittelklasse, die einen vergleichsweise komfortablen Lebensstil pflegte. Der gewachsene Wohlstand führte auch zu neuen Wünschen bei der Gestaltung der Inneneinrichtung.

Gründerzeit Stuhl – reich verzierte Sitzgelegenheit des 19. Jahrhunderts

Gründerzeit Stühle, die in jenen Zeiten hergestellt wurden, waren daher wie viele andere Möbel auch, in der Regel reich verziert und aus hochwertigen Materialien hergestellt. Die Zierelemente orientierten sich dabei in erster Linie an Elementen, die schon aus der Renaissance bekannt waren. Für Möbelstücke allgemein und speziell für den Rahmen bei Stühlen wurde zumeist Nussbaum- oder Eichenholz verwendet, für als Stoff-Bezug für den Gründerzeit Stuhl kam ebenfalls vergleichsweise teurer Stoffe zum Einsatz.

Stühle waren in der Gründerzeit ein wichtiger Teil der repräsentativen Einrichtung, mit dem viele wohlhabende Familien des Bürgertums damals ihren neu gewonnenen Reichtum zeigen wollten. Daher findet man bis heute zahlreiche gut erhaltene oder aufwändig restaurierte Stühle aus dieser Epoche, die sowohl bei Antiquitätenhändlern als auch immer mal wieder auf Flohmärkten oder im Rahmen von Haushaltsauflösungen an den Liebhaber und Gründerzeit Stuhl Kenner verkauft werden.