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Gründerzeit, die Stilepoche zwischen Historismus und Jugendstil gehört zu den spannendsten Stil-Epochen der Möbel- und Gesellschaftsgeschichte.

Antike Möbel aus der Gründerzeit – typische Merkmale

Gründerzeit- und antike Möbel fanden Ihren Ursprung in Deutschland und Österreich in der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs. Die reiche Mittelschicht, das Bürgertum gab seinem Wunsch nach pompösen und voluminösen Möbel in der Zeit des Aufschwungs in der Zeit um 1900 nach und es entstand der Gründerzeitstil. Anrichten, Kommoden, Tische und Stühle zeichnen sich durch die hochwertige Verarbeitung und eine hohe Detailverliebtheit aus. Gerne sieht man bei Gründerzeit Möbeln gedrechselte Beine, an Tischen und Stühlen. Schränke und Anrichten schmücken sich oftmals mit Kugelfüßen. Intarsien und handgearbeitete Details unterstreichen die Wertigkeit dieser Möbelstücke. Kirschbaum und Eiche gehören zu den Holzarten die am häufigsten Verwendung finden, bei Gründerzeitmöbeln.

Antike Möbel kann man restauriert oder unbearbeitet kaufen

Antike Möbel können Sie restauriert oder noch unbearbeitet erwerben. Um eine optimale Werterhaltung für antike Möbel zu gewährleisten ist besonderes Augenmerk darauf zu richten, dass die Raumtemperatur nicht zu starken Schwankungen unterworfen ist und die Temperatur in einem Mittelmaß liegt. Auch die Pflege der empfindlichen Holzoberflächen sollte auf das jeweilige Holzmöbel abgestimmt sein. Antike Möbel passen in mehr Räume als man es sich vorstellen kann, eine moderne Einrichtung lässt sich mit Antiquitäten sehr schön aufwerten. Antike Möbel aus vorangegangen Epochen eignen sich in einigen Fällen auch als Wertanlage, hierbei ist aber besonders auf sorgfältige Lagerung zu achten, damit der ursprüngliche Charakter so gut wie möglich erhalten bleibt.

Die Gründerzeit – ein deutsches Phänomen

Das Ende des Deutsch-Französischen Krieges 1871 ist zugleich der Beginn der Gründerzeit in Deutschland. Aufgrund der Reparationszahlungen durch Frankreich, erlebte Deutschland einen wirtschaftlichen Aufschwung, der u. a. durch rasant fortschreitende Industrialisierung, den Ausbau der Eisenbahn, den Bau architektonisch prächtig gestalteter Häuser und repräsentativer Einrichtungsgegenstände geprägt war. Deutschland und sein Volk „gönnte“ sich wieder etwas.

Möbel als Repräsentationsobjekte

Die Möbel der Gründerzeit stellten für ihre Besitzer Repräsentationsobjekte dar. Sie waren meist aus schweren Hölzern gefertigt und reich verziert. Wohlstand sollte nach außen hin durch eine opulente Wohnungseinrichtung sichtbar gezeigt werden. Das Schema der Verzierungen ist, über die gesamte Gründerzeit Epoche hinweg, recht einheitlich. Besonders auffällig sind die länglichen, pyramidenförmigen Applikationen an Schränken, Vertikos oder Kommoden. Die Füße wurden meist gedrechselt und sind als sogenannte „Kugelfüße“ der Gründerzeit bekannt. Die Möbel der Gründerzeit tragen oftmals prächtige, reich mit Pilastern und Kapitellen verzierte Aufsätze.

Gut erhaltenen Stücke selten

Während des Krieges mit Vertreibung, Hunger und Not gingen viele der Gründerzeit Möbel verloren oder wurden schlichtweg verheizt, um die bitter kalten Winter zu überstehen. Obwohl die Möbel während der Gründerzeit teilweise schon industriell gefertigt wurden und damit in relativ großen Stückzahlen verfügbar waren, sind heute sehr gut erhaltene Stücke recht selten.

Original Gründerzeit Möbel sind gesuchte Antiquitäten

Original erhaltene oder professionell restaurierte Stücke, können sehr wertvoll und entsprechend kostspielig sein. Ein sehr gut erhaltener großer Schrank aus der Gründerzeit ist schon beinahe eine Rarität. Viele Menschen finden noch heute großen Gefallen an diesen Möbeln und integrieren sie, je nach Geschmack und Geldbeutel in ein modernes Wohnambiente.

Gemeinsamkeiten von Gründerzeit und Jugendstil?

Gründerzeit und Jugendstil – was verbindet diese Stilepochen, was trennt sie? Typisches Bestreben des Jugendstils war es einen eigenständigen Weg zu finden, und nicht mehr Stile vergangener Epochen zu kopieren. Auch sollten vor allem Motive aus der Natur und schlichte Eleganz zum Tragen kommen. In der Gründerzeit jedoch war es Ziel des reich gewordenen Bürgertums den gewonnenen Reichtum auch zur Schau zu stellen. Einfacher gesagt: Man wollte protzen. Kostbare Rohstoffe wurden aufwendig verarbeitet. Die Möbel waren groß, reich beschnitzt und oft Träger einen Stilmixes vergangener Epochen, was zweifellos auf den Historismus jener Zeit zurückzuführen ist.

Glorifizierung verganener Epochen

Die Begeisterung und Glorifizierung für vergangene Epochen wurde in Sammelwut und dem Kopieren von Stilen vergangener Epochen in Kunst und Handwerk ausgedrückt. Doch konnte sich eben nur eine wohlhabende Klientel diese aufwendigen Objekte leisten. Eine Vielzahl Möbel aus der Gründerzeit wurde aus dem weniger teuren Weichholz wie Kiefer oder Fichte gefertigt. Typische Zierelemente waren Kugelfüße, kannelierte Lisenenleisten mit Schnecken, Kassettenfüllungen in Türen und profilierte Möbelplatten.

Jugendstil und Gründerzeit sind kaum zu unterscheiden

Genau diese Elemente wurden vom Jugendstil übernommen. So sind genau die einfachen Möbel des Jugendstils und der Gründerzeit kaum voneinander zu unterscheiden. Erst wenn sich das florale Schnitzwerk der erstgenannten Stilepoche findet, ist man geneigt das Möbel dem Jugendstil zuzuordnen. Ein schönes Beispiel ist der Vertiko. Handel es sich um schlichtes Objekt aus Weichholz, so ist es vor allem der Aufsatz, welcher stilistische Unterschiede offenbart. Auch schlichte Kleider- oder Bücherschränke sind häufig nicht eindeutig einer Stilepoche zuzuordnen.

Gründerzeit Wirtschaftsaufschwung beeinflußt Einrichtungsstil

Möbel der Gründerzeit sind in den letzten Jahrzehnten bei Liebhabern von Antiquitäten gerne gesehen. Der zeitgenössische Begriff der Gründerzeit bezeichnet eine Epoche der Industrialisierung und des Handelsaufschwungs in der Zeitspanne der Jahre um 1870.  Damals wurden Möbelstücke aus Weichholz wie zum Beispiel Kiefernholz gefertigt, die in ihren Grundformen als kastenförmig und geradlinig bezeichnet werden können.

Gründerzeit Weichholz Möbel damals wie heute beliebt

Die Besonderheit dieser Möbel, die man heutzutage in restauriertem Zustand in vielen Wohnräumen finden kann war, dass sie mit viel schmückendem Beiwerk versehen waren. Die Möbelform des Vertikos, einem Schrank aus den Gründerjahren beispielsweise erklärt diese Gestaltungsform besonders gut. Hierbei handelte es sich um eine rechteckige Kommode, die im oberen Bereich mit einer schmalen Schublade versehen ist. Darunter befindet sich ein mit zwei großen Türen verschlossener Stauraum, in dem Geschirr aber auch Wäsche gut verwahrt werden konnten. Meist ist der Stauraum mit ein bis zwei Einlegeböden versehen. Auf dem oberen Ablagebereich des Vertikos befindet sich ein podestartiger Aufbau, der mit gedrechselten Säulen und Kapitellen oder Holzkugeln versehen ist. Im oberen Bereich befindet sich eine kronenartige Verzierung, die dem Podest eine verspielte Form gibt und so von der Geradlinigkeit des Möbelstücks ablenkt.

Auch Säulen, die rechts und links vor dem eigentlichen Stauraum aufgerichtet sind, finden sich hier oft als Stilelement. Die Möbel der Gründerzeit standen zumeist auf kugelförmigen Füßen. Reich verzierte Messingschlösser (pdf) vollendeten die Gestaltung des Gründerzeit Vertiko.

Möbel Restauratoren müssen Weichholz Möbel „freilegen“

Da solche Möbel in späteren Zeiten dem Geschmack der Menschen angepasst wurden, fand man bei ihrer Renaissance weiße und dunkle Anstriche, die das Möbelstück optisch verändern sollten. Oft wurden auch die Aufbauten entfernt um sie dem nachfolgenden Biedermeierstil anzupassen. Deshalb mussten sie nach ihrer Wiederentdeckung oft mühsam restauriert und abgebeizt werden. Stücke, die noch über alle Zierelemente verfügen, haben bis heute einen besonders hohen Wert.

Historismus Stilrichtung der Gründerzeit

Historismus ist sowohl als Stilepoche, denn auch als Bewegung zu verstehen. Die aufkommende Begeisterung des 19. Jahrhunderts für vergangene Epochen prägte den Begriff Historismus. Nutz- und Kunstgegenstände im Stil einer bestimmten Epoche, oder in einem Stilmix wurden in großer Stückzahl für eine immer stärker werdende Käuferschaft hergestellt.

Historismus brachte hohe Nachfrage nach antiken Möbeln

Vor allem die Romantik findet sich im Wesentlichen im Stil des Historismus wieder. Auch der Sammlermarkt boomte zur Zeit des Historismus, besonders durch die Neureichen der Industrialisierungsphase. Gesammelt wurde von der Ritterrüstung über das Gemälde bis hin zum Möbel, und führte fast zum Ausverkauft von Kunst und Antiquitäten. Freilich zog diese Sammelwut eine Welle von Fälschungen nach sich, denn letztlich galt es den Markt zu befriedigen. So hinterlässt uns der Historismus zahlreiche Repliken, in denen er uns eindeutig anlacht oder leider auch eine Vielzahl hervorragend gemachter Kopien, die dank ihrer Perfektion und Detailtreue noch heute nicht als Fälschungen entlarvt sind.

Jugendstil löst Historismus mit Beginn des 20. Jahrhundert ab

Der Historismus erlebte seinen Höhepunkt um 1860, als ein zu Wohlstand und Reichtum gekommenes Bürgertum Sammelwut und Repräsentationsbedürfnis befriedigen wollte. Er setzte also nicht nur seinen Siegeszug während der Gründerzeit fort, welche um 1840 mit Aufkommen der Industrialisierung begann, sondern wäre ohne die Gründerzeit niemals so langlebig und erfolgreich verlaufen. Der Höhepunkt vom Gründerzeit und Historismus währte heftig, aber nur kurz. Abgelöst wurde der Gründerzeitstil um 1890 vom Jugendstil, welcher eine Abkehr vom Kopieren und Mixen alter Stile propagierte.

Epoche der Gründerzeit

Unter der eigentlichen Gründerzeit versteht man die Jahre von 1860 bis 1890, als der durch die Industrialisierung erworbene Wohlstand auf dem Höhepunkt angelangt war und der Stilepoche des Historismus zu einem regelrechten Boom verhalf.

Tatsächlich aber datieren die Anfänge der Gründerzeit in etwa um das Jahr 1840 mit der zu dieser Zeit aufkommenden Industrialisierung, als die heute unter dem Begriff „Industrielle Revolution“ in den Geschichtsbüchern notierte Epoche begann. Der Ausdruck Gründerzeit oder Gründerväter rührt aus dem Begriff der Unternehmensgründung her, durch welche ein Mann zu Vermögen und Reichtum gelangen konnte. Das aufstrebende Bürgertum übernahm mit wachsendem Wohlstand und steigendem Selbstbewusstsein auch kulturelle Führung. Insbesondere die sich verbreitende Eisenbahn schuf eine hohe Nachfrage nach Kohle und Stahl.

Liberalismus provozierte erstmals soziale Fragen

Zwar gab es durch die Gründerzeit viele so genannte Neureiche, doch der Zuzug der verarmten Landbevölkerung in die Städte führte zur Gründung des Proletariats. Die in den neuen Betrieben der Industrialisierung hart schuftende Arbeiterschaft lebte im Zuge der Ausbeutung unter erbärmlichen Bedingungen und hatte zwar Anteil, aber keinesfalls Nutznießen am Aufschwung. So kam neben dem bürgerlichen Gedanken des Liberalismus auch die soziale Frage auf.

Gründerzeit endete jäh mit einem Börsencrash

Durch den Börsencrash von 1873 (Gründerkrach) erfuhr der wirtschaftliche Aufschwung der Gründerzeit einen empfindlichen Einbruch, der nach einer Phase der Stagnation in einem empfindlichen Abschwung endete. Allgemein hin wird diese Phase als Gründerkrise beschrieben, die auch als Auslöser für den erneut aufkeimenden Antisemitismus angeführt wird. Der jähe Abbruch der wirtschaftlichen Erfolgsphase führte damals nicht zur Erkenntnis, dass jeglicher Aufschwung irgendwann enden muss, weil grenzenloses Wachstum schlichtweg unmöglich ist. Anstelle mathematisch betriebswirtschaftlicher Erkenntnisse mussten Verschwörungstheorien das Ende der dynamischen Gründerzeit Jahre erklären, was zu einer Welle von Antisemitismus führte.