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Gründerzeit Wirtschaftsaufschwung beeinflußt Einrichtungsstil

Möbel der Gründerzeit sind in den letzten Jahrzehnten bei Liebhabern von Antiquitäten gerne gesehen. Der zeitgenössische Begriff der Gründerzeit bezeichnet eine Epoche der Industrialisierung und des Handelsaufschwungs in der Zeitspanne der Jahre um 1870.  Damals wurden Möbelstücke aus Weichholz wie zum Beispiel Kiefernholz gefertigt, die in ihren Grundformen als kastenförmig und geradlinig bezeichnet werden können.

Gründerzeit Weichholz Möbel damals wie heute beliebt

Die Besonderheit dieser Möbel, die man heutzutage in restauriertem Zustand in vielen Wohnräumen finden kann war, dass sie mit viel schmückendem Beiwerk versehen waren. Die Möbelform des Vertikos, einem Schrank aus den Gründerjahren beispielsweise erklärt diese Gestaltungsform besonders gut. Hierbei handelte es sich um eine rechteckige Kommode, die im oberen Bereich mit einer schmalen Schublade versehen ist. Darunter befindet sich ein mit zwei großen Türen verschlossener Stauraum, in dem Geschirr aber auch Wäsche gut verwahrt werden konnten. Meist ist der Stauraum mit ein bis zwei Einlegeböden versehen. Auf dem oberen Ablagebereich des Vertikos befindet sich ein podestartiger Aufbau, der mit gedrechselten Säulen und Kapitellen oder Holzkugeln versehen ist. Im oberen Bereich befindet sich eine kronenartige Verzierung, die dem Podest eine verspielte Form gibt und so von der Geradlinigkeit des Möbelstücks ablenkt.

Auch Säulen, die rechts und links vor dem eigentlichen Stauraum aufgerichtet sind, finden sich hier oft als Stilelement. Die Möbel der Gründerzeit standen zumeist auf kugelförmigen Füßen. Reich verzierte Messingschlösser (pdf) vollendeten die Gestaltung des Gründerzeit Vertiko.

Möbel Restauratoren müssen Weichholz Möbel „freilegen“

Da solche Möbel in späteren Zeiten dem Geschmack der Menschen angepasst wurden, fand man bei ihrer Renaissance weiße und dunkle Anstriche, die das Möbelstück optisch verändern sollten. Oft wurden auch die Aufbauten entfernt um sie dem nachfolgenden Biedermeierstil anzupassen. Deshalb mussten sie nach ihrer Wiederentdeckung oft mühsam restauriert und abgebeizt werden. Stücke, die noch über alle Zierelemente verfügen, haben bis heute einen besonders hohen Wert.

Epoche der Gründerzeit

Unter der eigentlichen Gründerzeit versteht man die Jahre von 1860 bis 1890, als der durch die Industrialisierung erworbene Wohlstand auf dem Höhepunkt angelangt war und der Stilepoche des Historismus zu einem regelrechten Boom verhalf.

Tatsächlich aber datieren die Anfänge der Gründerzeit in etwa um das Jahr 1840 mit der zu dieser Zeit aufkommenden Industrialisierung, als die heute unter dem Begriff „Industrielle Revolution“ in den Geschichtsbüchern notierte Epoche begann. Der Ausdruck Gründerzeit oder Gründerväter rührt aus dem Begriff der Unternehmensgründung her, durch welche ein Mann zu Vermögen und Reichtum gelangen konnte. Das aufstrebende Bürgertum übernahm mit wachsendem Wohlstand und steigendem Selbstbewusstsein auch kulturelle Führung. Insbesondere die sich verbreitende Eisenbahn schuf eine hohe Nachfrage nach Kohle und Stahl.

Liberalismus provozierte erstmals soziale Fragen

Zwar gab es durch die Gründerzeit viele so genannte Neureiche, doch der Zuzug der verarmten Landbevölkerung in die Städte führte zur Gründung des Proletariats. Die in den neuen Betrieben der Industrialisierung hart schuftende Arbeiterschaft lebte im Zuge der Ausbeutung unter erbärmlichen Bedingungen und hatte zwar Anteil, aber keinesfalls Nutznießen am Aufschwung. So kam neben dem bürgerlichen Gedanken des Liberalismus auch die soziale Frage auf.

Gründerzeit endete jäh mit einem Börsencrash

Durch den Börsencrash von 1873 (Gründerkrach) erfuhr der wirtschaftliche Aufschwung der Gründerzeit einen empfindlichen Einbruch, der nach einer Phase der Stagnation in einem empfindlichen Abschwung endete. Allgemein hin wird diese Phase als Gründerkrise beschrieben, die auch als Auslöser für den erneut aufkeimenden Antisemitismus angeführt wird. Der jähe Abbruch der wirtschaftlichen Erfolgsphase führte damals nicht zur Erkenntnis, dass jeglicher Aufschwung irgendwann enden muss, weil grenzenloses Wachstum schlichtweg unmöglich ist. Anstelle mathematisch betriebswirtschaftlicher Erkenntnisse mussten Verschwörungstheorien das Ende der dynamischen Gründerzeit Jahre erklären, was zu einer Welle von Antisemitismus führte.