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Gemeinsamkeiten von Gründerzeit und Jugendstil?

Gründerzeit und Jugendstil – was verbindet diese Stilepochen, was trennt sie? Typisches Bestreben des Jugendstils war es einen eigenständigen Weg zu finden, und nicht mehr Stile vergangener Epochen zu kopieren. Auch sollten vor allem Motive aus der Natur und schlichte Eleganz zum Tragen kommen. In der Gründerzeit jedoch war es Ziel des reich gewordenen Bürgertums den gewonnenen Reichtum auch zur Schau zu stellen. Einfacher gesagt: Man wollte protzen. Kostbare Rohstoffe wurden aufwendig verarbeitet. Die Möbel waren groß, reich beschnitzt und oft Träger einen Stilmixes vergangener Epochen, was zweifellos auf den Historismus jener Zeit zurückzuführen ist.

Glorifizierung verganener Epochen

Die Begeisterung und Glorifizierung für vergangene Epochen wurde in Sammelwut und dem Kopieren von Stilen vergangener Epochen in Kunst und Handwerk ausgedrückt. Doch konnte sich eben nur eine wohlhabende Klientel diese aufwendigen Objekte leisten. Eine Vielzahl Möbel aus der Gründerzeit wurde aus dem weniger teuren Weichholz wie Kiefer oder Fichte gefertigt. Typische Zierelemente waren Kugelfüße, kannelierte Lisenenleisten mit Schnecken, Kassettenfüllungen in Türen und profilierte Möbelplatten.

Jugendstil und Gründerzeit sind kaum zu unterscheiden

Genau diese Elemente wurden vom Jugendstil übernommen. So sind genau die einfachen Möbel des Jugendstils und der Gründerzeit kaum voneinander zu unterscheiden. Erst wenn sich das florale Schnitzwerk der erstgenannten Stilepoche findet, ist man geneigt das Möbel dem Jugendstil zuzuordnen. Ein schönes Beispiel ist der Vertiko. Handel es sich um schlichtes Objekt aus Weichholz, so ist es vor allem der Aufsatz, welcher stilistische Unterschiede offenbart. Auch schlichte Kleider- oder Bücherschränke sind häufig nicht eindeutig einer Stilepoche zuzuordnen.

Kennzeichen des Gründerzeit Schreibtisch

Der Gründerzeit Schreibtisch ist in zum Teil sehr verschiedenen Ausprägungen, heute würde man es sicherlich Design nennen, verfügbar. Deshalb bedarf es eines geübten Antiquitäten Auges um Schreibtische der Gründerzeit an den typischen Stilelementen jener Zeit zu erkennen. Typisch für diese Epoche sind z.B. hohe Tischbeine, die eine unverkennbare, balusterförmige Gestaltung haben. Ebenso wurden am Gründerzeit Schreibtisch gedrechselte oder beschnitzte Querstege häufig an den Schreibtischbeinen angebracht. Kannelierungen, Lisenenleisten mit Schnecken, gedrechselte Säulen und Diamantquader finden sich an den unterschiedlichsten Schreibtischtypen. Gefertigt wurden die massiven und voluminösen Schreibtische der Gründerzeit für das Büro oder den Herren aus Nussbaum oder Eiche, ebenso für die Dame oder die heimische Schreibstube. Müßig auf aufwendige Furnierarbeiten gerade bei Fertigungen aus Nussbaum hinzuweisen.

Herrenschreibtisch – typischer Gründerzeit Schreibtisch

Üblich war vor allem der Herrenschreibtisch, welcher auf zwei Säulen mit Schubfächern ruhte – übrigens ein Typ Schreibtisch, welcher in der Stilepoche des Jugendstils übernommen wurde. Die Zierelemente freilich wurden im Jugendstil abgespeckt. Natürlich war auch der Schreibtisch ein Möbel zu Repräsentationszweck, und wurde daher häufig mit üppigem Schnitzwerk und weiteren Stauraum bietenden Aufsätzen versehen. Kronen für den Aufsatz sind durchaus gängig und bieten ein zusätzliches optisches Highlight. Auch bot das Möbel Spielraum für Historismusanklänge, so dass einige durchaus prachtvoll anzusehende Schreibtische etwas überladen wirken.

Jugendstil Schreibtisch übernahm wesentliche Stilelemente der Gründerzeit Schreibtische

Auch beim Schreibtisch erweisen sich die aus Weichholz gefertigten Exemplare als diejenigen bei welchen die Zierelemente sparsam eingesetzt wurden. Üblich sind vor allem Profilierungen und Lisenenleisten mit Schnecken als auch Diamantquader. Dadurch ergibt sich in vielen Fällen eine stilistische Ähnlichkeit mit Schreibtischen des Jugendstils.